Verwandtschaft erzieht – Und ich will das nicht!

Ich habe mir selbst versprochen, in diesem Blog keine persönlichen Details wiederzugeben. Daran halte ich mich und bleibe aus diesem Grund sehr diffus im Titel „Verwandtschaft erzieht“. Die wahren Identitäten verschleiernd sei aber festgehalten: Es gibt in der weit gefassten Verwandtschaft wirklich ernst gemeint liebe Menschen, die an unserem Sohn miterziehen – und mir passt das gar nicht! Doch was dagegen tun? 

Ich bitte, mich nicht misszuverstehen: Wenn ich mit den genannten Personen ein Problem im Allgemeinen hätte, würde ich den Kontakt gar nicht aufrechterhalten. Ich bin der Meinung, man muss nicht um jeden Preis an jedem Zipfel der Verwandtschaft festhalten. Wenn Positionen, Meinungen und auch Teile der Lebenseinstellung zu weit auseinander driften, darf man auch einseitig loslassen, im beiderseitigen Interesse. Nein, es geht im Menschen, die ich sehr schätze. Doch es scheint in der tiefen Natur der Erwachsenen zu liegen, kleine Kinder zu erziehen. Auch das sähe ich nicht als grundsätzliches Problem. Nur im Beisein der Eltern sollte man dies tunlichst unterlassen.

Verwandtschaft erzieht – Andere Regeln

Gott sei Dank greifen unser kleinen Familie einige Verwandte regelmäßig unter die Arme, wenn es um die Kinderbetreuung geht. Die Großeltern helfen aus, und zwar unregelmäßg regelmäßig, und vor allem spontan! Nennen wir es beim Namen, wir könnten unseren Berufen sonst auch nicht nachgehen.

Meist ist der Kleine dann zuhause bei den Großeltern. Ich kann meinen Eltern nicht vorschreiben, was in ihrem Haushalt erlaubt ist und was nicht. Wenn im Wohnzimmer Fußball gespielt werden darf, ist das in Ordnung, bei uns gibt es das nicht. Selbst in die Ernährung quatsche ich Ihnen nicht herein. So bekommt Sohnemann gerne ein Nuss-Nougat-Creme-Brot, bei uns eher nicht. Anderes Haus, andere Regeln, in meiner Abwesenheit kann ich ohnehin keine Regeln durchsetzen.

Da dies nicht meine Regeln sind, setze ich sie auch nicht durch. Wenn die Großeltern nicht wollen, dass mit dem Holzlöffel Topfschlagen gespielt wird, sollen sie das äußern und verbieten. Ich halte mich zurück, immer noch gilt, wenn auch in der verneinten Form: Nicht mein Haus, nicht meine Regeln. Eventuell noch nicht einmal meine Meinung.

Außer Haus, jetzt bestimme ich!

Setzen wir aber beide Füße vor die Tür, oder treten wir gar in unsere Haustür ein, dann gelten meine Regeln, die Regeln meiner Frau und die Regeln unseres Sohnes, der sich hoffentlich viel von uns abschaut. Wenn jetzt die mitgereiste Verwandtschaft erzieht oder erziehen will, werde ich fuchsig, und das passiert leider immer wieder. Da werden von mir ausgesprochene Verbote oder aufgestellte Forderungen plötzlich im Nachklang meines Satzes kommentiert, wiederholt und teilweise sogar abgeändert. „Hörst du bitte auf, den Stuhl ständig zu verschieben?“ tönt eine Bitte aus meinem Mund, deren Tonfall in feinen Nuancen erahnen lässt, dass ich das „Bitte“ beim nächsten Mal weglassen könnte. „Sonst spielt [Onkel/Opa/Tante/Oma] nicht mit dir!“ kommt als stark verändertes Echo hinterher, von entsprechender Person. Oder noch schlimmer: „Sonst ist [Onkel/Opa…] böse!“

Ich mag keine Drohungen. Ich mag auch keine in den Raum gestellten Sanktionen, solange die Möglichkeiten der Vernunft noch nicht ausgeschöpft sind. Und schon gar nicht mag ich die Drohungen in meinem Haus aus anderer Quelle als von mir oder meiner Frau. Selbst hier weiß Sohnemann bereits, wer welche Position präferiert und wer in welcher Sache eher nachgiebig ist. Manchmal heißt es Zähne zusammenbeißen, statt seinen Senf zu einer Erziehungsmaßnahme meiner Frau dazuzugeben. Umgekehrt geht es genauso. Umso ärgerlicher ist es, wenn dieses güldene Gesetz von der Verwandtschaft untergraben wird.

Konsequenzen, wenn die Verwandtschaft erzieht

Doch was tun? Natürlich widerspreche ich einer solch unpassenden Äußerung, und sei es nur aus Prinzip. Plötzlich habe ich das Gefühl, zwei Personen erziehen zu müssen. Dass das auf wenig Gegenliebe stößt, liegt nahe. Ärger ist also vorprogrammiert, entweder in mir gärend, oder beim anderen, Zurechtgewiesenen. Doch wenn die Verwandtschaft erzieht, und das in unseren Wänden, mache ich keine Kompromisse (mehr), ich verbitte mir das, mit eventuell für den anderen erstaunlicher Schärfe.

Das hat durchaus schon zu Missstimmungen geführt, die muss ich wohl in Kauf nehmen. Liebe Verwandtschaft: Ihr könnt unseren Sohn lieb haben, mir ihm spielen, toben, machen, fast was ihr wollt. Aber meine Frau und ich, wir erziehen ihn!

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