Nachhaltig Reparieren – Und täglich repariert der Papa

Nachhaltig Reparieren

„Papa, kannst du das reparieren?“ In mir steigt jedes Mal das panische Gefühl hoch, wie groß der verursachte Schaden wohl sein kann. Meist kommt wenig später ein Kind um die Ecke geflitzt, mit einem Spielzeug-Auto, einem zerrissenen Zettel oder einer Kuriosität, mit der man als Papa einfach nicht rechnet. Und stetig stelle ich die gleiche Frage: „Warum ist das jetzt kaputt gegangen?“ Meist steht mir betretendes Schweigen gegenüber. Ich packe den Schraubenzieher aus und fange an, zu reparieren. Nachhaltig reparieren, aus Prinzip.

Achtsamkeit gegen kaputte Sachen vs. Nachhaltig reparieren

Ja, warum gehen eigentlich so viele Dinge kaputt? Ist es wirklich immer die schlechte Qualität, die monoton immer wieder beschrien wird? Die Frage lässt sich eigentlich recht einfach mit einer Frage beantworten: Gehen mir denn auch in aller Regelmäßigkeit Dinge kaputt? Ein klares Nein, die Wertigkeit meines eigenen Eigentums bleibt für gewöhnlich lange bestehen. Und das ist unabhängig vom Kaufpreis. Nachhaltig reparieren ist eben nur da notwendig, wo Dinge kaputt gehen.

Damit bin ich zwar nicht alleine, dennoch auch nicht die Regel. Auch Erwachsene verstehen es, sehr verschleißfreudig mit ihren Materialien umzugehen. Meine Arbeit bedingt es, dass ich viele Computer sehe, die durch Mitarbeiter*innenhände gehen. Der Zustand dieser Maschinen schwankt extrem. Während einige jahrealte Computer noch so aussehen, als seien sie gerade ausgepackt worden, scheinen die anderen als täglicher Ersatz für das Frühstücksbrett zu dienen. Nachhaltig reparieren beginnt eben auch hier schon damit, erst gar nichts kaputt zu machen.

Nachhaltig reparieren vs. Wertschätzung

Muss ich also feststellen, dass meine Kinder ihren Spielsachen nicht die Wertschätzung entgegenbringen, die ich von ihnen erwarte? Auch wenn es mich selbst schmerzt, kann ich das wohl nur mit „Ja“ beantworten. Die Anzahl der Reparaturen lassen leider keinen anderen Schluss zu. Doch was schließe ich daraus? Nicht mehr reparieren? Einfach Dinge mal „kaputt“ gehen lassen, dauerhaft, und dann unter Tränen entsorgen? Das klingt ein wenig nach Holzhammer-Erziehung. Vielleicht hätte das sogar Erfolg, doch zu welchem Preis?

Reparaturen lehren Nachhaltigkeit

Auf der anderen Seite frage ich mich, warum überhaupt so viel kaputt gehen kann. Vielleicht haben unsere Kinder auch einfach zu viel. Die Schwemme an Spielzeugen, die regelmäßig den Gang über den Kinderzimmer-Fußboden zum schmerzhaften Hürdenlauf verwandelt, lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu. Ist nichts da, kann auch nichts kaputt gehen. Ist wenig(er) da, geht auch wenig(er) kaputt. Die richtige Balance ist wohl ein ständiges Nachjustieren, und Weihnachten, Geburtstag und Ostern sind die großen Gegner in diesem Spiel. Immerhin spielt das zunehmende Alter auf unserer elterlichen Seite und lässt vieles uninteressant werden. Nachhaltigkeit reparieren ist wohl auch immer eine Frage des Interesses.

Dinge zu reparieren ermöglicht es aber eben auch, Wertschätzung für Dinge zu lehren. Vielleicht müssen Repaturen auch einen Preis haben. Das Ersatzteil muss vom Taschengeld bezahlt werden, oder die Zeit für die Reparatur wird von der Zeit abgezogen, die man eigentlich Fußball spielen wollte. In Ordnung, zeit hat man ohnehin nicht genug. Aber Konsequenzen für unachtsamen Umgang mit dem Willen zum „Nachhaltig reparieren“ zu komponsieren, kann auch nicht im Sinne der Erziehung sein.

Warte bitte, wir reparieren das später

Zuerst einmal gehe ich ganz langsam an das Thema heran: Ich verzögere die Reparatur bzw. die Auslieferung des reparierten Stücks. Der temporäre Verlust ist vielleicht Lehre genug, um demnächst genauer auf das liebste Spielzeug zu achten. Außerdem werden die Kinder ab sofort zur Reparatur herangezogen. Das macht das Reparieren nicht immer einfacher, aber lehrt hoffentlich. Funktioniert das nicht, werden virtuelle Preise erhoben oder tatsächliche Kosten vom Taschengeld bezahlt. Denn Nachhaltig reparieren ist ein Zeichen von Wertschätzung, und die beginnt schon deutlich früher.

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