Fliegen mit Baby – Eine Echte Nervensache

Wir sind mit unserem Kind schon häufiger geflogen. Dem eiskalten Winter in Deutschland entfliehen und sich mit dem Kleinkind in die Sonne flüchten – das eigentlich unkomplizierte Fliegen mit Baby macht es möglich. So versprechen die Fluggesellschaften nicht nur, das Baby bis zu einem Kleinkindalter von zwei Jahren kostenlos mitzunehmen, sondern auch, dass das Reisen vollkommen unkompliziert über die Bühne gehen soll. Nur leider ist das nicht immer der Fall – und das liegt in den meisten Fällen nicht am Kind selbst, sondern an der mangelnden Standardisierung. Inzwischen haben wir einen ganzen Katalog an Hürden zusammengestellt, die es routiniert zu Umschiffen gilt.

Kinderwagen mitnehmen

Das ist das wohl ärgerlichste Thema am Flughafen beim Thema „Fliegen mit Baby“. Natürlich will oder muss man seinen Kinderwagen mit in den Urlaub nehmen. Doch wird der als Gepäck aufgegeben? Oder mit in die Kabine genommen? Die Antwort ist relativ klar. Der Kinderwagen wird im Regelfall bis zum Checkin mit ans Gate genommen und beim Einstieg abgegeben. Dann bringt ihn ein Mitarbeiter vom Flughafen in den Gepäckraum, so die einfache Theorie. Die Praxis scheitert eigentlich immer irgendwo an mangelnder Standardisierung.

Fliegen mit Baby UND Kinderwagen sollte daher immer mit genügend Zeit eingeplant werden. Am Flughafen fragt man sich am besten zum Schwerlast-Gepäck-Checkin seiner Fluggesellschaft durch. Das ist manchmal ein einfacher, normaler Checkin, manchmal ein besonderer, abgelegener Schalter am anderen Ende des Flughafens. Laufzeit einrechnen!

Dort beginnt die erste Hürde: Aus wie vielen Teilen besteht der Kinderwagen? Denn wenn er teilbar ist, sollte dringend JEDES Teil als Gepäck aufgenommen und mit einer eigenen Marke versehen werden. Denn der Kinderwagen wird später zerlegt, geht dann ein Teil verloren, ist es verloren und taucht auch im Regelfall nicht mehr auf. Ist der Wagen markiert, gibt es zwei Möglichkeiten: Er wird direkt am Schalter abgegeben oder man nimmt ihn mit zum Gate. Wenn ersteres möglich ist – dann macht das! Denn im weiteren Verlauf wird der Kinderwagen lästig. In den meisten Fällen muss man ihn aber mit ans Gate nehmen.

Nun der lästigste Teil – nicht nur, aber besonders beim Fliegen mit Baby: Die Sicherheitskontolle. Hier wartet ein ganzer Blumenstrauß an Uberraschungen, dazu später mehr. Eine ist aber der Kinderwagen, denn der muss in den meisten Fällen durchleutet werden! Habt ihr also einen riesigen Kinderwagen, der nicht in den Apparat passt, dann macht euch mal auf Diskussionen gefasst. Also: Kinderwagen teilen, wenn möglich, und aufs Band packen. Wie man das Fliegen mit Baby als Alleinerziehender bewerkstelligen will, ist spätestens hier schleierhaft. Denn die Freundlichkeit des Servicepersonals am Flughafen endet meist an der Sicherheitskontrolle prompt.

Ist der Wagen als bombenfrei und drogenfrei erkannt, dürft ihr ihn wieder zusammenbauen und das Baby erst einmal dort ablegen. Sucht das Gate und lasst euch nicht zuviel Zeit. Es gibt Gates, die sind nur durch enge Schleusen erreichbar, durch die zu große Koffer nicht passen (sollen). Dass dort Kinderwagen durchpassen, war nie vorgesehen. Im Extremfall muss ein Mitarbeiter des Flughafenpersonals die Sperre aufschließen. Das dauert – und in vielen Fällen wartet der Flieger nicht.

Am Gate dann die nächste Überraschung: Der Kinderwagen ist eventuell nicht angemeldet. Lasst Euch davon nicht beirren. Zerlegt den Wagen, klappt alles zusammen und lasst ihn am Eingang zum Flieger nehmen. Die werden ihn mitnehmen, denn er ist als Gepäck eingecheckt. Kommt er nicht mit, muss die Fluggesellschaft Schadensersatz zahlen.

Der Checkin und die Bordkarte

Das ist wohl das kurioseste Thema beim Fliegen mit Baby. Alle Passagiere, auch Euer Kind, wird eine Bordkarte beim Checkin bekommen. Wenn ihr allerdings online eincheckt, dann kann es sein, dass ihr KEINE Bordkarte für das Baby bekommt. Egal wie, es kommt auf jeden Fall zu Problemen. Denn wenn ihr keine Bordkarte habt, dann gibt es schon Probleme bei der Sicherheitskontrolle, bei deren Zugang die Bordkarten samt Ausweis gezeigt werden müssen. Beim Einstieg in den Flieger hingegen passiert es JEDESMAL(!), dass das Kleinkind erst einmal nicht einchecken kann. Das liegt am Sitzplatz: Das Baby sitzt beim Fliegen auf dem Schoß eines der Eltern, und hat damit den gleichen Sitzplatz. Wird also die Bordkarte des Elternteils gescannt und danach die des Kindes, ist der Platz doppelt belegt. Glaubt mir, das geht nie glatt – und jedesmal hat man das Gefühl, die Mitarbeiterin hat das erstemal ein Baby, das mit seinen Eltern fliegt. Da müsst ihr durch, aber seit darauf gefasst.

Also: Bordkarte für das Baby ausdrucken, wenn das nicht möglich ist, zum Checkin und nachdrucken lassen. Ihr müsst ja wegen des Wagens ohnehin dorthin.

Die Sicherheitskontrolle

Das ist beim Fliegen, aber beim Fliegen mit Baby wohl besonders, immer der ärgerlichste Teil. Die Sicherheitsleute scheinen einen Bonus für Unfreundlichkeit zu bekommen. Ich fliege relativ viel, und habe so selten Freundlichkeit erlebt. Aber zu den harten Fakten: Das Fliegen mit Baby bringt einige Vorteile, denn ihr dürft mehr als andere Passagiere. So ist es erlaubt, Flüssigkeit mit in den Sicherheitsbereich zu nehmen, die zu Herstellung von Nahrung dient. Milchpulver und Wasser gehen also. Füllt beides aber in durchsichtige Behälter ab und denkt daran, dass Milchpulver durchaus auf Drogen gecheckt werden wird. Auch die Flüssigkeit wird überprüft werden.

Gläschen mit Babynahrung werden ebenfalls entweder überprüft, indem sie geöffnet werden(!), oder aber durch ominöse Maschinen, die die Gläschen auf Sprengstoff untersuchen. Und die kommen mit Gläschen manchmal nicht wirklich zurecht. Meine Empfehlung: Beim Fliegen mit Baby immer genug Nahrung mitnehmen, aber geht auf Pulver mit Wasser – und Wasser bekommt ihr auch an Bord.

Das Kind darf übrigens ein eigenes Handgepäckstück mitnehmen! Das ist unabhängig vom Sitzplatz, jeder Passagier hat mindestens ein Handgepäckstück frei, auch wenn er nicht bezahlen muss und auf dem Schoß sitzt.

Fliegen an Bord

Ist Euer Baby gutmütig und/oder müde, beginnt jetzt der stressfreie Teil. Ihr setzt euch in die Maschine, nehmt das Kind auf den Schoß, schnallt Euch beide an und schlaft bis kurz vor Landung. Ansonsten wird es anstrengend, denn aufstehen geht mit Baby kaum. Regel Nummer eins daher beim Fliegen mit Baby: Kurz vor dem Boarding nochmal auf die Toilette gehen.

Beim Boarding könnt ihr dann der netten Stuardess (m/w) direkt mitteilen, dass ihr gleich einen Baby-Gurt benötigt, manchmal geben die ihn direkt mit. Dieser Gurt besteht aus zwei miteinander verbundenen Schleifen. Mit der Großen gurtet ihr das Kind fest, die kleine Schleife wird durch euren Gurt gezogen. Ab da heißt es durchhalten bis zur Landung. Und denkt daran, dass ihr praktisch nicht in der Lage sein werdet, irgendetwas zu machen, denn der Tisch lässt sich mit Kind auf dem Schoß nicht runterklappen.

Teilt der Stuardess während des Fluges unbedingt mit, dass sie bei der Landung am Zielflughafen ein Baby und Kinderwagen anmelden soll. Warum, dazu komme ich gleich.

Aussteigen und Gepäck

Jetzt wird es spannend. Ihr seid da, das Fliegen mit Baby hat bisher einwandfrei geklappt. Ihr steigt aus und steht mit dem Baby auf dem Rollfeld. Und nun? Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder steht euer Kinderwagen auf dem Rollfeld und ihr müsst ihn hier in Rekordgeschwindigkeit zusammenbauen, oder er wird an die Gepäckausgabe gebracht. Ist das zweite der Fall, dann habt ihr gewonnen. Denn ihr geht oder fahrt ganz normal an das Terminal und holt euer Gepäck. Der Kinderwagen kommt meist als Schwerlastgepäck an eine andere Ausgabe! Das sagt euch keiner, also sucht nach dem Schwerlastgepäck-Band, meist ein Mini-Gepäckband in irgendeiner Ecke.

Richtig fies wird es beim Fliegen mit Baby hingegen, wenn ihr den Kinderwagen bereits auf dem Rollfeld bekommt. Denn in vielen Flughäfen müsst ihr durch Sperren, durch die immer nur eine Person passt. Ein Kinderwagen passt da garantiert nicht durch. Das Sicherheitspersonal kann da in vielen Fällen nicht helfen. (In Düsseldorf will es das auch nicht, das haben wir erlebt. Dort war die Mitarbeiterin des Personals noch nicht einmal bereit, Hilfe zu rufen und hat sich lieber wieder auf ihrem Stuhl niedergelassen.) Macht Euch also auf Diskussionen gefasst.

Dokumente dabei haben

Habt beim Fliegen mit Baby unbedingt mehrere Dokumente dabei: Den Reisepass des Babys, die Geburtsurkunde des Babys und eventuell die Sorgerechtsvereinbarung, falls ihr nicht verheiratet seid. Denn gerade wenn es ins Nicht-EU-Ausland geht, kann es sein, dass ihr nachweisen müsst, das Kind auch ins Ausland bringen zu dürfen. Natürlich solltet ihr, bis auf die Ausweise, Kopien mitnehmen. Wir mussten das bisher nie beibringen, aber sicher ist sicher, denn sonst bleibt ihr zuhause.

Fliegen mit Baby im Ausland

Je arabischer der Raum wird, aus dem ihr fliegt, umso freundlicher ist man auf den Flughäfen zu euch – das ist uns zumindest so ergangen. In Hurghada zum Beispiel wurden wir, natürlich gegen ein Trinkgeld von 2 Euro (nach kurzer Diskussion, er wollte 5), aus der langen Schlange mit dem Kinderwagen direkt an die Sicherheitskontrolle gebracht, und dort auch direkt abgefertigt. Vom Betreten des Flughafens bis zum Sicherheitsbereichs vergingen ungefähr zwei Minuten. Auf innereuropäischen Flughäfen funktioniert das mit dem Trinkgeld leider nicht, hier unterscheidet sich das Fliegen mit Baby eigentlich nicht von Deutschland.

Insgesamt kann man sagen, dass Fliegen mit Baby durchaus möglich ist. Es ist keine schlechte Idee, die Schlafenszeit, sofern steuerbar, auf die Flugzeit zu legen. Ist man auf das gefasst, was an Hürden beim Fliegen mit Baby auf euch zukommt, ist das ganze aber zu meistern. Viel Spaß beim Urlaub!

(Bild Fotolia – © Tropical studio)

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