Lavendelbad – Meine zehn Minuten

Lavendelbad Ruhepause

„Papaaaaa“ – Eine ungläubige, zornige Stimme schwingt durch die Badezimmer-Tür. „Papaaaa“. Die Säuernis ist nicht zu überhören. Ich versinke in den schmalen Fluten einer Badewanne. Das Wasser ist dunkelblau. Ein Lavendelbad zur Entspannung habe ich aufgelöst, mit ätherischen Ölen und für Kleinkinder nicht empfohlen. Meine Frau nimmt den Kleinen von der Tür weg und spielt mit ihm. „Papa will jetzt nicht“.

Lavendelbad – Mein stiller Moment

Stimmt, Papa will jetzt nicht. Nach 3 Jahren, also etwa 1000 Tagen oder rund 25.000 Stunden will ich jetzt zehn Minuten einmal nicht, nichts und niemanden. Nur meine Badewanne mit dem tiefblauen Wasser im Lavendelbad-Duft will ich jetzt. Dabei stehe ich gar nicht so auf Duftbäder. Doch in diesem Augenblick wird die Wanne zum Symbol meiner zehn Minuten.

Eben noch haben wir gemeinsam gebadet und geplanscht. Und ich weiß, dass ich den Badezimmer-Boden noch trockenlegen muss. Wenn wir baden, reicht der Rand der Badewanne nie aus, die Springflut zu bändigen. Mache ich gleich, in acht Minuten. Zwei sind schon vorbei von meinen zehn. Schalt endlich ab.

Geht nicht – Mein Telefon klingelt. Ich ignoriere da Klingeln, etwas anderes bleibt mir ohnehin nicht übrig, will ich das Lavendelbad nicht in der gesamten Wohnung verteilen. „Soll ich dir dein Telefon bringen?“ Ich tauche wieder ab. Sieben Minuten.

Ha, effizient habe ich jetzt drei Minuten wirklich an nichts gedacht. Gut, die Einkaufsliste ist jetzt perfekt, und wie ich vor meinen Terminen morgen noch Sohnemann zur KITA bringe, weiß ich jetzt auch. Aber das gilt nicht. Bleiben noch vier Minuten.

„Hunger!“. Klar. Natürlich. Vor dem Baden haben wir gegessen und ich war erstaunt, das Sohnemann nicht platzt. Da hat er jetzt Hunger. Ist recht. Und ein Argument, durch die Tür zu rufen. „Durst!“ Ich bin versucht zu antworten und presse die Lippen aufeinander. Durch die Nase atme ich tief ein. Blub, ich bin wieder weg. Zwei Minuten bleiben.

Ich stehe auf. Wie albern. Verkrampft soll ich jetzt hier die letzte Minute liegen, aus Prinzip? Seit wann bin ich Prinzipienreiter? Seit sich ein Lavendelbad habe? Ich trockne mich ab und schaue zurück ins blaue Wasser. Irgendwie hat mich das jetzt nicht so entspannt wie erhofft. Doch was habe ich mir erhofft? Dass alles von mir abfällt? Warum sollte ich das überhaupt wollen? Ist doch alles irgendwie auch absurd. Und doch: Das werde ich bei nächster Gelegenheit wiederholen.

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