Tonie-Box DIY – Oder vielleicht doch nicht?

Es kribbelt mir in den Fingern, und zwar ganz ungemein. Vor einem Jahr erzählte mir eine Bekannte von der Tonie-Box. Diese kleine Box ist eigentlich nur ein Streaming-Client über WLAN, der Inhalte aus den Internet streamt. Aktiviert wird das Streaming durch kleine, thematisch meist passende Figuren, die auf die Box gesetzt werden. Daraufhin werden die Inhalte abgespielt bzw. freigeschaltet. Für Kinder ist diese Box somit einfach und intuitiv zu bedienen. Und für die Firma, die diese grandiose Idee hatte, ein Riesen-Geschäft. Denn nicht nur die Box kostet Geld, die einzelnen Figuren, die „Tonies“ genannt werden, schlagen mit durchschnittlich 15 Euro zu buche. Dabei ließe sich eine Tonie-Box doch auch bestimmt selbst bauen? Oder ist das doch nicht so einfach wie gedacht?

Noch einmal zur Technik der Box. Eigentlich ist die Box nur ein Streaming-Client. Die Inhalte werden per WLAN abgerufen und danach gestreamt. Ob die Box Inhalte zwischenspeichert, ist mir nicht bekannt. Die Tonies beinhalten einen RFID Chip, den die Box erkennt. Durch die RFID-Kennung wird der jeweilige Inhalt abgespielt und freigeschaltet.

Tonie-Box DIY aus Raspberry-PI

Das klingt nach einem klassischen Raspberry-PI-Projekt. Doch das Projekt bekommt schnell Hürden. Denn die Tonie-Box selbst verfügt über einen Einrichtungs-Assistenten, um sie an das heimische WLAN anzuschließen. Dazu wird die Box in einen WLAN-Host-Modus versetzt. Alleine das dürfte den klassischen Hobby-Programmierer schnell herausfordern. Doch selbst, wenn man diese Hürde nicht nehmen muss, sondern den Rechner vorkonfiguriert, ist die Tonie-Box alles andere als einfach zu kopieren.

Die noch einfachste Hürde stellt der RFID-Teil dar. Ein einfacher RFID-Reader per USB simuliert eine Tastatur und „drückt“ die Tasten, gefolgt von einem Return. Damit lässt sich arbeiten. Läuft auf dem Raspberry-PI ein Programm in Dauerschleife und nimmt Eingaben von dieser Tastatur entgegen, dann können verschiedene RFID-Chips verschiedene Eingaben generieren. Ein wenig Scriptarbeit weiter landen die beim jeweiligen MP3-File, das auf der SD-Karte gespeichert wird. Ein Streaming ist damit gar nicht notwendig. Sofern der Rasperry-PI über WLAN verfügt und entsprechend eingerichtet ist, lassen sich neue MP3s per Netzwerkfreigabe betanken. Soweit, sogut. Doch die Feinheiten der Tonie-Box sind deutlich schwerer zu simulieren.

So beginnt der Titel beim Auflegen eines Tonies bei der zuletzt abgespielten Stelle. Das ist schon deutlich komplizierter. Irgendwo muss ich abgreifen, an welcher Stelle der Tonie entfernt wurde. Das selbst ist schon nicht so einfach. Das Entfernen des Tonies stoppt das Abspielen. Auch das ist schwierig zu simulieren, denn der RFID-Reader müsste beim Entfernen eine gesonderte Ausgabe machen. Macht er aber nicht! Alternativ kann ich natürlich einen Stop-RFID-Chip programmieren.

Außerdem muss die Lautstärkeregulierung und die Stromversorgung der Tonie-Box DIY realisiert werden. Für ersteres ließe sich wiederum zu RFIDs greifen, damit wäre die Bedienung – im Gegensatz zur Original Tonie-Box – sogar komplett berührungslos. Die Stromversorgung wiederum könnte ein USB-Powerpack übernehmen, das mit in die Box eingebaut wird und über einen nach extern verlegten USB-Anschluss geladen werden kann. Bleibt noch zu erwähnen, dass ein Raspberry-PI einen furchtbaren Klang hat und eine externe Soundkarte benötigt. Dazu kommt dann ein Verstärker und mindestens ein Lautsprecher.

Nicht wirtschaftlicher als Kaufen

Und nun komme ich zur ernüchternden Bilanz: Ein Raspberry-PI für 20 Euro, Soundkarte, Verstärker, Lautsprecher für 20 Euro, Powerpack für 10 Euro, RFID-Reader für 10 Euro und ein Gehäuse für vielleicht 10 Euro ergeben stattliche 70 Euro. Füge ich noch den obligatorischen Kleinkram dazu, lande ich ziemlich genau bei den Kosten für eine Original Tonie-Box. Einzig die Lieder bzw. Hörspiele, die eventuell schon im Schrank liegen, machen das Projekt augenscheinlich lukrativ. Rechne ich noch die Arbeit dazu, muss ich schon ziemlich viele Tonies einsparen, damit sich das lohnt.

Während ich als DIY-Papa einen Eigenbau vermutlich mindestens doppelt so cool finde, dürfte Sohnemann das komplett anders sehen. Dabei hatte ich mir wirklich gute Gedanken gemacht. Ich wollte eine Box aus DUPLO-Steinen bauen und die RFIDs in DUPLO-Figuren platzieren, die dann oben auf die Box gesetzt werden können. Über spezielle RFIDs in speziellen Steinen sollte die sonstige Bedienung erfolgen. Wie gesagt, es kribbelt mir in den Fingern. Aber ich weiß, dass das Projekt nur ein Bastel-Bedürfnis befriedigt, nicht aber die Bedürfnisse unseres Sohnemanns.

Ob ich jetzt doch zur Originalen Tonie-Box greife oder ein einfaches Tablet mit Player-Oberfläche verbaue und hier meine zahllosen Hörspiele auftanke, weiß ich noch nicht. Doch irgendetwas in diese Richtung wird es zu Weihnachten geben!

5 Kommentare

  1. halll sebastian,

    genau solche gedanken hab ich mir auch schon gemacht!

    das, was dem ganzen am nächsten kommt ist was der grossverteiler migros in der schweiz im rahmen einer promoaktion verkauft. nur leider haptisch und konzeptionell nicht gleich „wertig“. eigentlich ein chinaware bluetooth lautsprecher mit eingebautem mikroprozessor, welcher ab interner sd-card vordefiniert benamste (und schlecht maskierte) mp3 files abruft. aber alles nur billigplastik. dafür wurde/wird von der community das ganze reverse engineered und kann recht einfach getweakt und erweitert werden.

    dann gibt es noch den sogenannten „hörbert“ , auch, als diy kit. aber in wesentlichen punkten konzeptionell schwächer, vor allem für kleinkinder.

    für uns wirds dem cloudzwangübel zum trotz eine toniebox, einfach wegen der genialen qualität und haptik.

    was mich an der toniebox aber extrem nervt ist der cloudzwang ohne bypassmöglichkeit. besonders für die kreativtonies. beim rest würd’s mich noch nicht mal so stören…
    was wenn die firma pleite geht? oder ein abozwang einführt? haben wir dann einen teuren klotz zuhause?

    immerhin werden die daten lokal gespeichert und die box funktioniert danach „offline“ problemlos.
    meine hoffnung ist, dass das ding eher früher als später gehackt wird oder via einen proxyservice z. b. ein sideloading möglich wird…

    1. Hi, danke für die Zusatzinfos. Richtig, auch ich finde den Cloudgedanken irgendwie nicht schön. Ich wünsche euch aber dennoch viel Spaß mit der Box. Und stimmt, wertig sieht sie aus!

  2. Ich habe mit dem gleichen Gedanken gespielt. Was mir jetzt aber in den Sinn gekommen ist ob die normale toniebox auch rfid Chips erkennt die nicht aus den Tonies Sortiment sind. Vielleicht erlebt sie diese sogar als kreativ Tonies ?! Könnte das jemand mit Box evtl mal testen ? Denn dann könnte man ja kostengünstig neue eigene Tonies bauen ohne teure kreativ Tonies zu zerstören.

    1. Ich spiele mit dem gleichen gedanken, allerdings müsste man den rfdi chip von nem kreativtonie auslesen damit der neue chip mit der gleichen nummer ausgestattet werden könnte um der box einen kreativen tonie vorzuspielen. Allerdings kann es dazu führen dass man den ausgelesenen nur kopiert. Also bräuchte man die id die die toniebox als kreativ tonie erkennt, aber nicht einen der einen vorhandenen kopiert. Also gar nicht so einfach. Zusätzlich kommt noch, dass boxine (der Hersteller der box) zugriff auf die rfdi chipdaten haben muss, um die daten (zumindest einmalig) von der cloud auf die box kopiert(die box hat einen speicher von ca 400~500minuten spielzeit) und daher schnell selbst gebastelte chips erkennen kann. Zumindest meine theorie. Hat da jemand anderes erfarung? Weil wenn man die chips einfach in andere plastikfiguren einsetzten kann wird das etwas günstiger und mein diy spektrum erweitern. Lg Mister Kanister

  3. Hallo Sebastian,
    ich glaube, eine DIY Box wird viel cooler sein, weil
    – sie cooler aussehen kann
    – die Geschwister auch eine erhalten und weil
    – sie mehr Inhalte bietet (vll. auch Radiostreams).

    Daher waere ich froh, wenn Du das Projekt umsetzst.

    Halte mich auf dem Laufenden.

    Gruß
    Christof

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