Minimalismus mit Kindern – passt das zusammen?

Minimalismus mit Kindern

Ich bin Minimalist. Diesen Schritt habe ich vor noch gar nicht so langer Zeit gemacht. Wer regelmäßig in unsere Wohnung kommt, stellt Veränderungen fest. Es ist geräumiger geworden, es steht nicht mehr soviel herum. Alles wirkt aufgeräumter. Doch lässt sich Minimalismus mit Kindern überhaupt leben? Meine Antwort ist klar: Ja, auf jeden Fall. Und es lässt sich sogar besser leben, wenn man einige Regeln beachtet. 

Was ist mein Minimalismus?

Vorab sollte jeder für sich entscheiden, was Minimalismus eigentlich ist. Denn es ist eben nicht die schlichte Reduktion der Teile, die man besitzt. Geht man danach, bin ich vom Minimalismus weit entfernt. Ich liebe Musik, und ich werde meine umfangreiche CD-Sammlung samt stattlicher Musikanlage nicht hergeben. Passt nicht zusammen? Doch, passt zusammen.

Das Haus verlassen haben neben diversen Musikkassetten und CDs, die ich nie mehr hören wollte, auch eine umfangreiche MP3-Sammlung, Kopfhörer, die ich nicht mehr trage, überflüssige Kabel, Kleinkram, Ersatzhüllen für CDs und alles, was nicht zum Genießen der Musik notwendig ist. Sogar die Kommode, seit Jahren Aufbewahrungsort der Sammlung, musste ausziehen. Die CDs stehen auf einem selbstgebauten Palettenregal an der Wand, die Anlage auf einer spartanischen Platte mit Rollen auf dem Boden und die Boxen in der Zimmerecke. Mehr ist zum Hören nicht notwendig und würde das Erlebnis aus nicht steigern.

Genau darum geht es. Ich will mich nicht beschneiden in meinem täglichen Leben, es geht nicht darum, mich selbst zu geisseln. Ich möchte mich wieder konzentrieren auf das Wesentliche. Denn diese Konzentration ist mir in vielen Teilen abhanden gekommen, und ich finde sie gerade wieder. Aufräumen beginnt im Kopf, Minimalismus auch. Die CD-Sammlung ist dabei nur ein Beispiel. Manche Bereiche werden radikal gekürzt, weil sie einfach nicht wichtig sind. Viele Minimalisten sehen das ähnlich.

Niemand muss Minimalist sein

Seit ich mich dieser Philosophie, dieser Lebenseinstellung hingebe, geht es mir richtig gut. Es ging mir auch vorher nicht schlecht, aber ich merke, wie mein Kopf wieder aufblüht. Gerne gebe ich davon anderen Menschen etwas ab, in erster Linie meiner direkten Familie. Dennoch bin ich weit davon entfernt, Frau und Kind zu einem eigenen Minimalismus treiben zu wollen. Ich merke, dass ich mich wieder mehr auf gemeinsame Aktivitäten konzentriere, dass mich weniger ablenkt. Um das zu erfahren, muss mein Umfeld nicht genauso denken. Hier geht es um mich.

Es wäre ohnehin sinnlos, ein Kind zum Minimalismus zu erziehen. Vermutlich wäre es sogar eine Qual für beide Seiten. Denn das kindliche Erleben ist nun einmal sehr durch das Haptische geprägt. Und auch das „Haben-Wollen“ wird von der Umwelt so forciert, dass ich dem wenig entgegensetzen kann. Im Kinderzimmer türmen sich Spielzeuge, regelmäßig sortieren wir nicht altersgerechte Dinge aus und verpacken sie für nachfolgende Generationen oder verschenken sie. Überfluss haben wir dennoch. Minimalismus mit Kindern funktioniert nur einseitig.

Minimalismus mit Kindern – Abgucken ist gefragt

Es muss aber auch nicht sein, dass mein Kind einer Philosophie zusagt, die eine Konzentration auf das Wesentliche im stressigen Alltag ermöglicht. Die Bandbreite des Erlebens kann für Kinder nicht breit genug sein! Irgendwo in dieser Bandbreite wird der Nachwuchs mich hoffentlich beobachten, mein Verhalten, mein Konsumverhalten. Und irgendwo wird er registrieren, dass die schönste Zeit immer die Zeit war, die man gemeinsam verbracht hat, unabhängig davon, was man eigentlich gemacht hat. Dass ein neuer Spielzeug-Kran ein gemeinsames Spiel mit Stift und Papier nicht ersetzen kann, das sind Lektionen, die wir unseren Kindern beibringen müssen. Unsere Kinder lernen nicht dadurch, dass wir ihnen dies erzählen, wir müssen es ihnen zeigen.

Dann irgendwann, vielleicht erst, wenn unser Sohn sich selbst getrieben fühlt von Schule, Smartphone, zu viel Besitz und zu wenig Zeit, dann wird er sich erinnern an den Minimalismus seines Vaters. Und dann habe ich den Minimalismus mit Kindern doch gemeistert, erfolgreich. Denn die positiven Folgen des Minimalismus müssen wir mit Kindern leben, nicht den Minimalismus selbst. Dann habe ich alles richtig gemacht, hoffentlich.

 

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