KITA Streik 2017 – Es geht wieder los

KITA Streik 2017

Was war ich dankbar, dass wir im Jahr 2015 noch eine Tagesmutter für unseren Sohnemann hatten. Zwar hatte sich diese Dankbarkeit wenig später aus anderen Gründen erledigt. Doch der KITA Streik 2015 hatte so manchen Eltern nicht nur den letzten Nerv geraubt. Auch finanziell ging einigen beinahe die Luft aus. Es ist zu befürchten, dass ein KITA Streik 2017 nicht minder hart geführt werden wird. Ein paar Gedanken dazu, und ein Aufruf. 

KITA Streik 2017 – Die Wiederholung

Ich arbeite selbst (teilweise) im öffentlichen Dienst. Es ist bereits jetzt abzusehen, dass sich der Arbeitskampf noch verstärken wird. Sechs Prozent mehr Lohn, gerechtfertigt oder nicht, wird nicht auf kampflose Gegenliebe der Arbeitgeber stoßen. Während die einen die Forderungen als überzogen sehen, beharren die anderen darauf, es sei nur der Inflationsausgleich. Das wichtigste ist allerdings: Die Eltern der KITA-Kinder mögen darüber denken, was sie wollen. Ein Arbeitsstreik stellt sie vor ungeahnte Probleme.

Lange, sehr lange habe ich überlegt, ob ich persönlich einen solchen KITA Streik 2017 befürworte, oder ob ich dem entschieden widerspreche. Nach sehr langer innerer Diskussion, die immer noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, habe ich mich für letzteres entschieden. Warum? Weil der Streik-Grund und der Streik-Effekt nicht zusammen passen. Und weil es die Kinder trifft, mehr als alle anderen.

Streik-Effekt nicht gegeben

Warum streiken Arbeitnehmer? Sie wollen deutlich machen, dass der Erfolg eines Geschäftsmodells unmittelbar von den Mitarbeitern abhängt. Sie wollen deutlich machen, dass selbst kleine Störungen in der Mitarbeiterdisziplin ganz schnell zu großen Einschnitten für das Unternehmen führen kann. Es streiken die Lokführer, Züge stehen still, Fahrgäste kaufen keine Fahrkarten. Es streiken die Metaller, Just-In-Time-Autoproduktionen funktionieren nicht mehr, es laufen keine Autos mehr vom Band. Streik wird zum wirtschaftlichen Risiko-Faktor für Unternehmen.

Doch diesen Effekt hatte der KITA Streik 2015 nicht und wird der KITA Streik 2017, der in Berlin bereits begonnen hat, auch nicht haben. Als Bestreikter müsste das Land einen negativen Effekt spüren. Doch der bleibt aus. KITA-Beiträge werden nach wie vor gezahlt, und nur wenige Städte erstatten die Beiträge zurück. Ob Klagen erfolgversprechend sein könnte, steht in den Sternen. Umgekehrt laufen aber viele Kosten während der Zwangsschließungen nicht auf. Mit anderen Worten: Finanziell gehen die Kommunen als Gewinner aus dem Streik hervor. Einzig der Image-Schaden steht dagegen. Wie viel sich Kommunen und Länder darum bemühen, ist aus anderen Beispielen hinlänglich bekannt.

Aufhetzen als Ziel

Wenn ein finanzieller Schaden nicht das Ziel des Streiks ist, was ist es dann? Es geht nur ums eines: Die Eltern sollen gegen die Kommunen und das Land aufgehetzt werden, um sich in Verzweiflung der eigenen Situation an die Seite der Erzieher zu stellen. Dass diese Rechnung psychologisch nicht aufgeht, sollte jeder Erzieher eigentlich wissen. Umso unverständlicher ist mir, dass in Berlin schon wieder begonnen wird, einen KITA Streik 2017 auszurufen.

Denn als Eltern kann man nur früh genug anfangen, alle Urlaubstage gesplittet in die Waagschale zu werfen. Mit durchschnittlichen Urlaubsansprüchen von zweimal 28 Tagen kommt man immerhin beinahe zwei Monate über die Runden. Alleinerziehende sind die gekniffenen, sie müssen mit einem Monat hinkommen. Dauert der KITA Streik 2017 diesmal länger, droht ganz schnell der Arbeitsplatz zu wackeln. In der Bekanntschaft ist genau das vor zwei Jahren passiert.

Verlierer sind immer die Kinder

Und noch ein Grund steht auf der Streikgegner-Seite, ein Grund, um den es doch bei dieser Nummer überhaupt geht: Die Kinder! Sie haben ihr soziales Umfeld in der KITA, sie freuen sich auf das Spielen mit Freunden und Erziehern. Das Elternhaus mag vieles kompensieren, aber das kann es nicht ausgleichen, möchte man nicht jeden Tag Kindergeburtstag feiern. Ein Kind, das einfach für mehrere Wochen aus diesem vertrauten Umfeld herausgerissen wird, mag sich in einer stabilen Gruppe auch wieder einfügen. Wenn aber die gesamte Gruppe einfach einige Wochen aufgelöst ist, dann kann das für die Dynamik der Gruppe Folgen haben.

Aus diesen Gründen bin ich gegen einen KITA Streik 2017, obwohl es hier auch um mein Gehalt geht. Vielleicht sollte ich differenzieren: Ich bin nicht gegen einen KITA-Streik, sondern einen ErzieherInnen-Streik. Warum kann nicht die Verwaltung des Kindergartens streiken? Keine Meldungen mehr an die Stadt, keine Abrechnungen, keine Unterstützung. Aber das wäre natürlich weniger medienwirksam.

Eltern aller Kommunen – vereinigt Euch!

Wir bereiten uns inzwischen nicht nur seelisch, sondern auch praktisch auf einen Streik vor. Zum einen haben wir bereits mit den Arbeitgebern geklärt, dass wir plötzlich vor verschlossenen KITA-Türen stehen könnten, wenn ein KITA Streik 2017 auch hier in Köln ausbricht. Zum zweiten haben wir angefangen, mit einigen Eltern Notfall-Pläne zu schmieden. „Du vormittags, wir nachmittags“ zum Beispiel, oder „Ihr morgen, wir übermorgen“. Zusammen sind die Kinder meist sehr viel einfacher zu handhaben, weil ihnen nicht langweilig ist. Und vielleicht ergeben sich auch für die Erwachsenen interessante Begegnungen.

FOTO: (C) Fotolia – stockWERK

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.