Deutsche Bahn Verschmutzung – Ihr könnt nicht immer etwas dafür

Liebe Deutsche Bahn, liebe Fahrgäste. Ich muss ein Geständnis loswerden: In der Vergangenheit bin ich nicht immer fair gewesen. Vermutlich habe ich die typische Deutsche Bahn Verschmutzung eines ebenso typischen Mutter-Kind-Abteils (dieser Name ist Papa-diskriminierend! Aber anderes Thema…) viel zu häufig mangelnder Säuberung unterstellt. So häufig bin ich mit Sohnemann in Züge eingestiegen, die erst wenige Stationen unterwegs und dennoch verdreckt waren. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ein Zug auf einer solch kurzen Reise verdreckt sein sollte. Bis gestern. Seitdem sehe ich die Welt der „Deutsche Bahn Verschmutzung“ mit anderen, milderen, vielleicht sogar mitleidsvollen Augen.

Deutsche Bahn Verschmutzung – So schnell geht es

Es war in Hamburg. Mit Sohnemann bestieg ich ein Kinderabteil, tiptop sauber. Naja, es war in Ordnung, wirklich. Ich hätte auf jeden Fall keine Probleme gehabt, wenn der Kleine auf dem Boden hätte spielen wollen, auf der extra mitgenommenen Decke. Alles im grünen Bereich.

Dann kamen sie. „Sie“ sind Mutter und Kind, männlich. Knapp drei Jahre alt, und ein Rebell vor dem Herrn. Die Mutter eine stark übergewichtige, gepflegte Erscheinung, das Kind normal gebaut. Wobei mich das im Laufe der Fahrt wundern sollte.

Die gemeinsame Fahrt begann mit dem Austausch von Freundlichkeiten. Namen, Alter der Kinder, Fahrziel. Wir Köln, sie Düsseldorf. Wir haben also dreieinhalb gemeinsame Stunden im Zug. Naiverweise freute ich mich darüber, denn ein Spielfreund im Zug vertreibt die Zeit schneller für die Kinder und lässt den Eltern Platz zum Atmen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Noch in Hamburg nahm das Drama seinen Lauf. Unser Sohn wollte essen. Nicht ungewöhnlich, ich hatte extra Brezeln gekauft, denn unser Mittagessen war spartanisch ausgefallen und Sohnemann musste hungrig sein. Nach kurzem Entfernen des Salzes, natürlich in der Tüte und nicht etwa auf den Boden, bot ich unserem Gegenüber ebenfalls ein Stück der Brezel an. Gierig wurde angenommen. Kein Problem, in dem Alter normal. Dennoch sagt unser Sohn inzwischen „Danke“, meist von alleine. Kann ich nicht verlangen, will ich auch nicht.

Verschmutzung steigt von Minute zu Minute

Es dauerte ungefähr eine Minute, und das Stück Brezel hatte sich über das gesamte Abteil verteilt. Auf einer Skala der „Deutsche Bahn Verschmutzung“ von 1 bis 10 hatte dieses Abteil unmittelbar einen Sprung von 2 auf 6 geschafft, in nur 60 Sekunden. Schuld daran waren in der Hand zerdrückte Brezelteile, die nach manueller Zerkleinerung durch das Abteil geworfen wurden. Auch wir waren im Fokus der Wurfgeschosse, die mangelnde Zielgenauigkeit bewahrte uns vor Schlimmerem. Da Brezel-Drücken in kleinen Händen schnell langweilig wird, wurden die Reste jetzt in den Mund genommen, zerkaut, und dann nach altbekannter Methode geworfen. Der „Deutsche Bahn Verschmutzung“-Index war auf 8 geklettert, und wir noch nicht einmal in Bremen angekommen.

Ohne Witz: Wäre ich in dieses Abteil gekommen, hätte ich zum einen gedacht, eine komplette Brötchenladung sei verteilt. Dabei war es  in Wirklichkeit nur ein Stück Brezel. Und ich hätte eine Mindest-Verschmutzungs-Zeit von zwei Stunden unterstellt. Dabei waren wir noch nicht mal in Bremen. 30 Minuten waren maximal vorbei.

Mehr Schmutz bitte

Das Kind schmeißt also mit Essen. Was ist die logische Konsequenz? Genau, mehr Essen. Ich habe es auch nicht verstanden, aber zu der Brezel, deren Werdegang ich sehr bedauerte, zumal sie aus unseren Vorräten stammt, kamen nun Edeka-Fertig-Frikadellen. Und sie gesellten sich ebenfalls überall zur Brezel, denn der Rebell machte keine Unterscheidung in der fragwürdigen Behandlung. Ich wünschte mir ein Stück steinhartes Brot herbei. Aber wie das so ist, wenn man es mal braucht, ist es nicht da. Er hätte sich die Zähne ausgebissen. Oder wir hätten zurück geworfen, und besser gezielt!

Als nun die ersten Frikadellen-Stücke über unser Eigentum regneten, ergriff ich energischen Protest. Leere Gesichter, bei Mutter und Sohn. Meine Worte kamen nicht an. Der „Deutsche Bahn Verschmutzung“-Index kratzte inzwischen gefährlich nahe an der Höchstmarke, während wir endlich in Bremen einfuhren. Noch zweieinhalb Stunden. Ich wollte kotzen, zum einen, um dieser Begegnung den Respekt entgegenzubringen, den sie verdiente, zum anderen, weil der Gestank der Frikadellen einfach widerlich war, selbst ohne ihren Werdegang zu kennen.

Durchatmen, Taktik ändern

Ok, wenn Mutter nicht in der Lage ist, etwas zu ändern, bin ich es vielleicht. Ich baute den beiden Kindern mit Decke und mitgebrachten Spielzeugen eine Spielwiese auf, bat aber die Mutter, den Kleinen nicht mit Frikadellen auf unserer Decke spielen zu lassen. „Hallo, jemand zu Hause?“ Irgendwie musste ich durchgedrungen sein. Für die Kinderhände hielt ich ihr einen Packen Feuchttücher hin. „Braucht er nicht.“ Doch, braucht er, überall, nicht nur an den Händen. Im Geiste desinfizierte ich unseren Spielzeug-Bestand.

Das rebellische Vorgehen des Kindes erreichte auf der Spieldecke seinen Höhepunkt. Unser Sohn gab wirklich alles ab, aber mit irgendwas wollte auch er spielen. So suchten seine Augen verzweifelt Hilfe bei mir, als ein Spielzeug nach dem anderen unter Geschrei den temporären Besitzer wechselte. Ich griff wieder ein: Nein, das sei sein Lieblingsspielzeug, das müsse er behalten. Geschrei, Hauen, Kreischen.

Unserem Sohn brennen die Sicherungen durch. Er ist richtig sauer uns lässt sich nun gar nichts mehr gefallen. Sein Spielzeug holt er sich zurück, Stück um Stück, dank seiner körperlichen Überlegenheit effizient und erfolgreich. Den Protest, auch körperlich, wehrt er souverän ab. Ich platze vor Stolz, denn bisher ist er selbst nicht einmal handgreiflich geworden. Auf der gegenüberliegenden Sitzbank nur leere Blicke in eine leere Asia-Fertig-Schale. Gott sei Dank muss ich den Geruch nicht auch ertragen, die Frikadellen sind wenigstens alles überdeckend.

Ende, Aus, Schluss, Flucht

Ich packe das Spielzeug ein, packe die Decke ein, packe Sohnemann ein. Bis Düsseldorf halte ich es hier nicht aus, und Sohnemann garantiert auch nicht. Er hat sich wacker geschlagen, ohne zu schlagen. Das werde ich belohnen. Wir kreuzen mit dem ERB ab Münster rüber nach Hamm und nehmen von dort den ICE nach Köln. Ein Umweg von nur rund 20 Minuten, die Bahn-Begeisterung unseres Sohnes ist riesig und dieses Abenteuer wert. Und wir sind die Hölle los. Beim Verlassen des Abteils schaue ich mich nochmal um. Herzlichen Glückwunsch, eine glatte 10 auf der „Deutsche Bahn Verschmutzung“-Skala. Liebe Bahn, hätte ich es nicht besser gewusst, ich hätte euch unterstellt, das Abteil sei seit Wochen nicht gereinigt worden. Versprochen, beim nächsten Mal äußere ich meinen Protest zwar wieder, aber etwas leiser.

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